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Glücklicher leben: Was wir von anderen Ländern lernen können

Von Hygge bis Wabi-Sabi

Glücklicher leben: Was wir von anderen Ländern lernen können

MagazinFreizeitGlücklicher leben

🕐 LESEZEIT ≈ 9 min

Hygge, Lagom oder Niksen: Immer wieder werden Lebensarten anderer Länder bei uns zu Lifestyle-Trends. Dabei geht es weniger um minimalistische Einrichtungstipps, als um Lebensphilosophien und Wohlfühltipps. Was können wir von Dänemark, Schweden und den Niederlanden, in denen die weltweit glücklichsten Menschen leben, über das Glücklichsein lernen? Auf der Suche nach einer Antwort auf diese Frage werfen wir einen Blick auf die beliebten Lebensarten – und versuchen uns an einer Anleitung zum Glücklichsein.

Wo leben die glücklichsten Menschen?

Der aktuelle World Happiness Report 2026 zeigte: Die glücklichsten Menschen leben in Finnland, Dänemark und Island. Damit führend ausschließlich nordische Länder das Ranking der glücklichsten Länder an. Denn nicht nur Finnland und Dänemark sind unter den Top 10, sondern auch Schweden (Platz 5) und Norwegen (Platz 6). Deutschland belegt Platz 17 – von den insgesamt 156 Ländern im Ranking.

world happiness record 2026, top 10

Doch woran liegt es, dass die Menschen in diesen (vor allem nordischen) Ländern glücklicher leben? Auch darauf liefert der World Happiness Report, der seit 2013 den weltweiten Glückszustand erforscht, eine Antwort. Glücklich sein ist ein subjektives Empfinden, das von einigen Faktoren abhängt: Einkommen, Lebenserwartung, Großzügigkeit, Korruption, Freiheit und soziale Unterstützung. Der Blick auf Finnland, Dänemark und Island, die das Ranking anführen, macht es noch deutlicher: Die glücklichsten Menschen leben in Ländern mit geringer Bevölkerungszahl. Dort gibt es einen funktionierenden Sozialstaat, ein hohes Bruttoinlandsprodukt sowie Einkommensniveau, höhere Lebenserwartungen, ein gutes Gesundheitssystem und niedrige Kriminalitäts- und Korruptionsraten.¹

Auf dieser Grundlage schenken die Menschen mehr Vertrauen in Institutionen wie Behörden, Polizei und Justiz, aber auch in das Miteinander. So sind es wirtschaftliche, politische und soziale Faktoren, an denen unser Glück hängt. Leben wir in einem Land, in denen diese Faktoren im Gleichgewicht sind, fühlen wir uns sicherer, wohler und letztendlich glücklicher. Auch, wenn wir uns nicht mit anderen vergleichen sollten, können wir auf der Suche nach einem glücklichen Lebensstil auf andere Länder blicken, in denen Forschungen und Studien zufolge zufriedenere Menschen leben. Doch was machen Finnland, Dänemark oder die Niederlande anders?

 

Höher, schneller, weiter: Wir leben in einer schnelllebigen, leistungs- und konsumorientieren Gesellschaft, in der wir ständig erreichbar, aber auch ständig gestresst sind. Eine zentrale Rolle spielt dabei Social Media: Im aktuellen World Happiness Report stellen die Forschenden fest, dass junge Menschen heute deutlich unglücklicher sind als noch vor 15 Jahren – und das mit der intensiven Nutzung sozialer Medien zusammenhängt. Es habe Auswirkungen auf die Wertschätzung, die Entscheidungsfindung und das Wohlbefinden hat.² Ob Digital Detox, Yoga, Meditations- und Atemübungen etwa mit Glücklichsein zu tun haben? Werfen wir einen Blick auf die Lebensarten anderer Länder und was sie uns über ein glückliches Leben verraten.

Glücklich leben, Hygge, gemütliche Sesselecke am Fenster

Hygge – die dänische Gemütlichkeit

Im World Happiness Report rankt Dänemark seit Jahren unter den Top 3 der glücklichsten Länder der Welt – und vielleicht liegt es an ihrem „hygelligen“ Lebensstil. Der Begriff „Hygge“ (gesprochen Hügga), der ursprünglich aus dem Norwegischen kommt, ist Kernbestandteil des dänischen Lebens. Es gibt keine wortwörtliche Übersetzung, bedeutet aber so viel wie „gemeinsam Raum und Zeit genießen“. In einem kleinen Café einen Milchkaffee genießen, einen langen Waldspaziergang machen oder mit Freunden gemeinsam kochen –„hygelligt“ kann vieles sein. Immer gilt: Gemütlich muss es sein! Außerdem dürfen Kerzen für die perfekte Wohlfühlstimmung nicht fehlen.

Damit ist Hygge der Gegenentwurf zu unserem Lebensstil im 21. Jahrhundert: Statt hektisch durch den Alltag zu eilen, sollen wir die kleinen Momente des Alltags genießen. Am besten zusammen mit der Familie oder mit den Freunden, in gemütlicher Stimmung und mit gutem Essen. Eine ähnliche Tradition gibt es auch in Schottland. Das alte, gaelische Wort Còsagach beschreibt das Gefühl von Gemütlichkeit, Geborgenheit und Wärme, wenn man vor einem Kamin oder einem Lagerfeuer sitzt und sich an den einfachen Dingen des Lebens erfreut. In Schweden umschreibt der Begriff Fika das Ritual, sich regelmäßig, gemeinsam mit Freund*innen oder Kolleg*innen eine Pause bei Kaffee und Kuchen zu gönnen – am besten selbst gemacht!

Glücklich leben, Lagom, Freundinnen auf Steg am See

Lagom – die schwedische Harmonie

Eine weitere Lebensart, die über die schwedischen Landesgrenzen hinaus bekannt wurde, ist „Lagom“. Auch dieser Begriff kann nicht wortwörtlich übersetzt werden, aber am besten mit „gerade richtig“ oder „nicht zu viel und nicht zu wenig". Lagom beschreibt die grundlegende schwedische Charaktereigenschaft, in allem das richtige Maß zu finden. Der Legende nach reicht das Konzept bis auf die Wikinger zurück, die einen großen Krug Met in der Runde rumgehen ließen, sodass jeder einen gleich großen Schluck nehmen konnte.

Auch wenn sich das Konzept längst in dem typisch skandinavischen Einrichtungsstil wiederfinden lässt, geht es um mehr als um eine minimalistische Ästhetik. Die Schweden, die im World Happiness Report an Platz 7 stehen, streben nach innerer Balance und Harmonie. Sie sind zurückhaltend und bescheiden, nicht leistungs-, sondern teamorientiert und insgesamt ausgeglichener. Damit widersetzt sich der schwedische „Way of Life" unserer Gesellschaft, die auf Effizienz, Produktivität, Rationalisierung und Performance getrimmt ist. Lagom ermahnt uns zu mehr Zurückhaltung und Bescheidenheit, um ein glückliches Leben zu führen.

Glücklich leben, Niksen, Tagträumen im Fenster

Niksen – das niederländische Nichtstun

Auch aus den Niederlanden findet eine Lebensphilosophie zu uns – das Niksen. Das niederländische Verb „niksen“ bedeutet „Nichtstun“ und ist in ein beliebtes Konzept, um Stress zu reduzieren. Denn gegen Stress können wir vor allem eins tun – nichts. Tatsächlich hat das bewusste Nichtstun nichts mit Faulenzen zu tun, sondern diverse Vorteile: Durch die Entschleunigung werden Stresssituationen unterbrochen, Angstzustände verringert, Abwehrkräfte gestärkt und so sogar Alterungsprozesse gebremst.

In unserer Gesellschaft ist es für viele ein Luxus, nichts zu tun – genauso aber auch eine Herausforderung. Viel zu sehr sind wir daran gewöhnt, im Zug E-Mails zu lesen, beim Spazierengehen Schritte zu zählen oder beim Podcast hören mit dem Smartphone zu spielen. Beim Niksen geht es jedoch darum, überhaupt nichts zu tun. Rutt Veenhoven, der an der Universität Rotterdam zu Glück forscht, erklärte in einem Interview mit der Voque, dass es darum geht, die Gedanken wandern zu lassen.³ Rumhängen, tagträumen, bummeln oder basteln: Ziel ist es, bewusste Pausen einzulegen, in denen wir uns nicht konzentrieren müssen. Beschäftigen wir uns mit Dingen, die wir spontan auch wieder liegen lassen können, können wir uns am besten entspannen – körperlich und mental. Probier' es aus und gib Dir etwas Zeit, denn das „Niksen“ bedarf etwas Übung.

Glücklicher leben, Frifluftsliv, Mann in Hängematte am See

Friluftsliv – die norwegische Flucht in die Natur

Einer der Gründe, warum Norwegen auf Platz 6 der glücklichsten Länder der Welt liegt, könnte Friluftsliv sein. Friluftsliv – das Freiluftleben – ist für Norweger allerdings kein Lifestyle-Trend, sondern eine Lebensweise, die fest in der norwegischen Identität verankert ist. Unabhängig von der Jahreszeit, vom Wetter oder vom Alter, verbringen die Menschen in Norwegen ihre Zeit am liebsten in der freien Natur. Beim Wandern, Klettern, Skifahren, Beerensammeln, Zelten oder Spaziergang mit dem Hund: Friluftsliv ist die beliebteste Freizeitbeschäftigung in Norwegen.

Geprägt wurde der Begriff von dem berühmten norwegischen Dramatiker Henrik Ibsen, der ihn nutzte, um zu beschreiben, wie wichtig es sei, Zeit in der freien Natur zu verbringen.⁴ Damit behält er Recht, denn Experten wissen seit Langem, dass sich der Aufenthalt in der Natur positiv auf das geistige und körperliche Wohlbefinden auswirkt. Verbringen wir mehr Zeit im Freien, können wir bessere Luft einatmen, Vitamin D tanken, Ängste lindern und besonders in den dunklen Jahreszeiten saisonalen Depressionen vorbeugen. Schon zwei Stunden in der Woche reichen aus, um sich wohler, ausgeglichener und glücklicher zu fühlen.⁵ Dafür müssen wir uns auch nicht an den ausgefallensten Outdoor-Aktivitäten versuchen, denn „Friliuftsliv" ist auch eng verknüpft mit „Kos“, dem norwegischen Innbegriff für eine gute, gemütliche Zeit.

Glücklicher leben, Sisu, Blick auf Eismeer

Sisu – der finnische Ausbruch aus der Komfortzone

Die glücklichsten Menschen leben in Finnland – so ergibt es der World Happiness Report seit 2018. Das ist erstaunlich, denn Finnland ist nicht nur das Land mit dem längsten Winter und den wenigsten Sonnenstunden, es verzeichnet in Europa eine der höchsten Suizidraten bei Depressionen.⁶ Umso interessanter ist die finnische Lebensphilosophie Sisu (gesprochen see’-soo), die im weitesten Sinne mit Stärke oder Ausdauer in besonders herausforderden Situatuionen ins Deutsche übersetzt werden können. In einem Interview mit Psychologie Heute beschreibt es Sisu-Coach Emilia Lahti so: "Sisu beschreibt das unerwartete Durchhaltevermögen während einer Krise oder einer schwierigen Situation. Es ist jene Situation, in der wir glauben, wir seien am Ende – aber wir stellen fest: Wir haben mehr Kraft als gedacht und es geht vorwärts."⁷

In gewisser Weise spiegelt Sisu sogar die Geschichte des Landes wider, das sich 1917 von Russland emanzipierte. Genau dieses Empowerment macht Sisu als Lifestyle-Trend beliebt: Es soll uns dazu motivieren, an uns selbst zu glauben, um geistige oder körperliche Grenzen zu überschreiten, von denen wir dachten, dass sie unüberwindbar wären. Übertragen lässt sich dieses Konzept auf viele Situationen: das Kündigen eines ungeliebten Jobs, das Überwinden von Trauer, das Durchstehen einer Krankheit oder das Bewältigen eines Ultralaufs. Wichtig sei es nur, so erklärt es Emilia Lahti, diesen Lebensstil nicht erschöpfend zu betreiben. Sisu hilft allerdings, einen ersten oder nächsten Schritt zu machen – hin zu einem glücklichen Leben.

Glücklicher leben, Wabi-Sabi, alte Flohmarktschätze

Wabi-Sabi – der japanische Anti-Perfektionismus

Japan ist kein nordisches Land, hat aber auch eine Anleitung zum Glücklichsein. So gibt es seit dem 16. Jahrhundert die japanische Tradition des Wabi-Sabi. Sie bezeichnet eine Form der Ästhetik, nach der Schönheit in den schlichten, vergänglichen und unvollkommenen Dingen liegt. Doch ist Wabi-Sabi nicht nur ein Schönheitsideal, sondern auch eine Geisteshaltung, die im Zen-Buddhismus eine wichtige Rolle spielt: Es geht darum, nicht von materiellem Besitz abhängig zu sein („wabi“) und die Schönheit in natürlichen, althergebrachten Dingen wiederzufinden („sabi“).

Flohmärkte mit alten Schätzen statt überlaufene Shopping-Center, eine zerbrochene Schale reparieren statt neues Geschirr kaufen, ein selbst gepflückter Blumenstrauß statt eines teuren Geschenks: Im Grunde ist Wabi-Sabi all das, was die digitalisierte, schnelllebige und konsumorientierte Kultur von heute nicht ist. Das japanische Konzept ist die Kunst, Schönheit auch in Fehlern, Rissen und Lücken zu sehen. Wie beim schwedischen Lagom oder beim dänischen Hygge geht es auch darum, durch Mäßigung, Achtsamkeit und Dankbarkeit zu einem glücklicheren Lebensstil zu gelangen.

Eine Anleitung zum Glücklichsein

Der Blick auf die glücklichsten Länder zeigt: Um glücklicher zu leben, brauchen wir nicht viel. Ob beim dänischen Hygge, beim schwedischen Lagom oder beim japanischen Wabi-Sabi, nie geht es um materiellen Besitz oder unendlichen Erfolg. Stattdessen sind alle Lebensarten, die in den letzten Jahren oft als Lifestyle-Trends gehandelt wurden, oft jahrhundertealte Traditionen, die auf Konzepte wie Achtsamkeit, Dankbarkeit und Minimalismus setzen – und damit unserem aktuellen, oft ungesunden Lebensstil entgegengesetzt sind. Zusammengefasst haben wir die Lebensweisheiten in einer kleinen Anleitung zum Glücklichsein:

glücklicher leben, anleitung zum glücklichsein

In den kleinen Dingen liegt das Glück

"Glück entsteht oft durch Aufmerksamkeit in kleinen Dingen, Unglück oft durch Vernachlässigung kleiner Dinge" – so schrieb es Wilhelm Busch. Zahlreiche Studien in der Glücksforschung belegen, was der bekannte Dichter und Zeichner schon im 19. Jahrhundert wusste. Eine der interessantesten Studien kommt von Lara Aknin, Michael Norton und Elizabeth Dunn, denn sie fanden heraus: Geld und ein ausschweifender Lebensstil machen uns nicht annähernd so glücklich, wie wir glauben.⁸ Geht es um unser Wohlbefinden, sind uns andere Aspekte viel wichtiger – sich in der Natur aufhalten, ein freies Wochenende genieße oder sich Zeit für kreative Auszeiten zu nehmen. Vor allem macht es uns glücklich, wenn wir unsere Zeit mit anderen Menschen verbringen, die zuversichtlich in die Zukunft blicken. Deshalb sollten wir es auch mit den Worten von Albert Schweitzer halten:

„Glück ist das Einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt.“

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Quellen:

¹ Sustainable Development Solutions Network, World Happiness Report 2026, aufgerufen am 20.03.2026.

² World Happiness Report 2026: Executive summary: happiness and social media, aufgerufen am 20.03.2026.

³ Susan Devaney (Vogue), What is Niksen? The Dutch Lifestyle Concept That Allow Us To Do Nothing, aufgerufen am 16.03.2021.

⁴ Visit Norway, Friluftsliv, aufgerufen am 19.03.2021.

⁵ Scientific Reports, "Spending at least 120 minutes a week in nature is associated with good health and wellbeing", aufgerufen am 19.03.2021.

⁶ yle.fi: Eurostat: Falling suicide rate in Finland nears European average, aufgerufen am 20.03.2026..

⁷ this is finland: The sisu within you: The Finnish key to life, love and success und Anna Gielas (2020): „Ein unerwartetes Arsenal an Kraft im Angesicht von Widrigkeiten“, in Psychologie Heute, aufgerufen am 20.03.2026.

⁸ Elizabeth W. Dunn et al., Spending Money on Others Promotes Happiness, aufgerufen am 19.03.2021.

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